Innere Arbeit

„Zusammen mit Meditation kann Therapie so etwas wie einen Abschluss finden.“

Innere Arbeit oder spirituelle Therapie, wie ich sie verstehe, erlebe und erfahren haben, ist die Kombination von humanistischer Psychotherapie mit östlicher Meditation. 

Methoden sind zum Beispiel körperorientierte Meditation, Achtsamkeitsarbeit, Gesprächstherapie und individuelle systemische Aufstellungen. Das bedeutet, es ist keine Psychotherapie im schulmedizinischen Sinn und keine herkömmliche Arbeit, die sich nach Leistung bemessen lässt.

Die Kombination von Erkenntnissen aus Psychologie und Meditation gibt es bereits seit einigen Jahrzehnten unter verschiedenen Namen. Meiner Erfahrung nach profitieren beide Ansätze voneinander. Sie können zusammen eine Tiefe erreichen und Prozesse abkürzen, weil sie wie von „zwei Seiten“ vielen Menschen innere Kraft geben und Klarheit schaffen. 

Meiner Erfahrung nach führt die Kombination von Psychotherapie und Meditation auch zu einer anderen inneren Haltung zum Leben und seinen Herausforderungen, wie es zum Beispiel in der Resilienz-Forschung seit einigen Jahrzehnten untersucht wird. Man könnte sagen, es kann sich eine persönliche Kultur der psychischen Widerstandsfähigkeit entwickeln.

Gemeinsam ist Meditation und Psychotherapie unter anderem so etwas wie Vertrauen und Hingabe an den eigenen, persönlichen Prozess; die Neugier an bislang unbekannten eigenen Qualitäten und Fähigkeiten; und die Sehnsucht nach einer altbekannten Stille, Geborgenheit und Verbundenheit, die irgendwann irgendwie verloren gegangen ist. – Und schließlich als Gemeinsamkeit vielleicht noch etwas, das nicht gesagt und gedacht werden kann und erst entdeckt und erfahren werden will … 

Was heißt Buddha-Natur?

Der Begriff ist eine Metapher für das Potential eines jeden Menschen, über die erlebten Prägungen hinauszuwachsen und ureigene, neue Qualitäten ins Leben zu bringen.

Üblicherweise begrenzen Kindheit und Elternhaus die Möglichkeiten, tiefe Zufriedenheit und echte Lebendigkeit für sich zu finden.

Mit innerer Arbeit kann die eigene „Buddha-Natur“ nach und nach kultiviert und vergrößert werden: Psychotherapie und Meditation sind hierbei Mittel auf dem eigenen Weg, immer mehr Abstand zu den Prägungen zu gewinnen und immer weniger Reaktionen ausagieren zu müssen, also aus einer gewissen Ruhe, Gelassenheit und Bestimmtheit handeln zu können.

Dabei zeigt sich Buddha-Natur oftmals nicht über Nacht oder durch plötzliche „Erleuchtung“, sondern gern auch Stück für Stück als Teil einer Sehnsucht, der man folgt. Insofern ist sie kein Ergebnis oder ein Ziel, das sich erreichen ließe. Absichten, Theorien und Techniken erschweren eher den Zugang zu diesem Erfahrungsraum; aber er öffnet sich zum Beispiel bei Akzeptanz, Liebe und in Entspannung. Das, wofür Buddha-Natur steht, scheint nur auf Wahrnehmung und Verbundenheit zu warten.

Shodai fragte Sekito: „Was ist mit all den Tieren, haben Sie eine Buddha Natur“?
Sekito antwortete: „Ja, sie alle haben eine Buddha Natur.“
Shodai erwiderte: „Und ich, habe ich auch eine Buddha Natur?“
Sekito dazu: „Nein, du hast sie nicht.“
Shodai wundert sich: „Aber warum habe ich keine Buddha Natur?“
Sekito: „Weil du sie in Frage stellst.“

(nach einer kleinen ZEN-Geschichte)